Als wachsendes Unternehmen und Technologieführer ist die Technologiekompetenz für den Erfolg von Roth ausschlaggebend. Die neu geschaffene Position des Chief Technology Officer (CTO) ist somit eine Schlüsselposition. Mehr Informationen liefert der neue CTO im nachfolgenden Interview direkt selbst.
Reto Senn, Sie sind vor knapp einem halben Jahr bei Roth gestartet. Welchen Eindruck haben Sie vom Unternehmen?
Schon vor meinem Eintritt bei Roth hatte ich von verschiedener Seite in der Branche vernommen, dass das Unternehmen für seine hohe Fachkompetenz und seine ausgeprägten Qualitätsansprüche bekannt ist. Diese Wahrnehmung hat sich voll bestätigt. Inzwischen habe ich auch erlebt, mit welcher Offenheit sich Roth technologisch kontinuierlich weiterentwickelt. Deshalb haben wir auch einen Vorsprung gegenüber unseren Marktbegleitern. Wir richten uns nicht an Benchmarks aus, sondern definieren sie. Dies macht Roth – zusammen mit der schlanken Organisation und der flachen Hierarchie – zum idealen Umfeld für mich als CTO. Ausserdem macht es grossen Spass, Teil dieses jungen, hochmotivierten und dynamischen Teams zu sein. Und nicht zuletzt bin ich stolz darauf, in einem Unternehmen zu arbeiten, das technische Lösungen herstellt, von denen Mitbewerber behaupten, sie seien nicht herstellbar.
Welches sind die Hauptpunkte der technischen Strategie von Roth?
Als Lohnfertiger besteht unsere technische Strategie aus drei Pfeilern: Prozessstabilität, Automatisierung und Wachstumsfähigkeit. Dazu gehören auch die fortlaufende Investition in modernste Fertigungstechnologien sowie die durchgängige Digitalisierung unseres gesamten Produktionsprozesses. Von grosser Bedeutung ist aber auch die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Mitarbeitenden. Wir fordern und fördern unsere Mitarbeitenden gezielt, sodass jede und jeder ein motivierendes Entwicklungsziel vor Augen hat. So kann beispielsweise ein Mitarbeiter, der eine Maschine bedient, bei entsprechendem Interesse in die Programmierung eingearbeitet werden. Für den Mitarbeitenden bedeutet dies den nächsten Karriereschritt; für uns die nachhaltige Stärkung unserer Fachkompetenz.
«KI soll unsere Mitarbeitenden unterstützen – nicht ersetzen.»
Weshalb ist die Rolle des CTO eine Schlüsselrolle?
Technologie ist der zentrale Wettbewerbsfaktor für Roth. Als Fertigungsunternehmen in der Schweiz haben wir ohne den Einsatz modernster Technologien keine Chance, wettbewerbsfähig zu sein. Die Rolle des CTO verbindet Strategie, Innovation und operative Umsetzung. Es geht darum, technologische Trends frühzeitig zu erkennen, gezielt in relevante Lösungen zu investieren und sicherzustellen, dass Technologie die Unternehmensziele optimal unterstützt; heute und in Zukunft.
Welche tiefgreifenden technischen Veränderungen wird es in der Präzisionsteileherstellung in den nächsten Jahren geben?
Die Automatisierung wird ganz klar weiter zunehmen. In unserem Bereich geht es vor allem um die Be- und Entladung der Maschinen und die Übergänge von einer Station zur nächsten. Für uns als Lohnfertiger stellt die Automatisierung eine besondere Herausforderung dar, da wir mit einer grossen Vielfalt an unterschiedlichen und stets neuen Bauteilen konfrontiert sind. Sinnvolle Automatisierungslösungen sind für uns daher solche, die sich leicht auf unterschiedliche Teile adaptieren lassen. Neben der Automatisierung wird auch der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz die Fertigungswelt verändern.
Welche Bedeutung hat die künstliche Intelligenz (KI) für Roth?
Wir setzen KI bereits an verschiedenen Stellen ein, unter anderem bei der Erstellung von Offerten. Gleichzeitig prüfen wir laufend, in welchen anderen Tätigkeitsbereichen KI die Qualität und Effizienz noch weiter steigern kann – das heisst auch in der Administration. Denn auch im Office gilt unser Anspruch nach höchster Produktivität und Effizienz. Im Umgang mit KI verfolgen wir drei klare Grundsätze: Erstens muss der KI-Einsatz einen klaren Mehrwert schaffen, zweitens muss er pragmatisch sein und drittens soll er die Mitarbeitenden unterstützen – nicht ersetzen.
«Im Zusammenspiel von Mensch, Maschine und Daten entstehen Lösungen mit echtem Mehrwert für unsere Gesellschaft.»
Welchen technischen Hintergrund bringen Sie mit?
Ich habe meine Karriere mit einer Lehre als Polymechaniker begonnen. Nach dem Lehrabschluss arbeitete ich mehrere Jahre an der Maschine. Diese Praxiserfahrung kommt mir heute zugute. Später war ich als stellvertretender Produktionsleiter tätig und konnte wertvolle Führungserfahrung sammeln. Technisch liegt meine Kernkompetenz in der Programmierung von CNC-Maschinen. Darüber hinaus bringe ich auch betriebswirtschaftliches Wissen mit, konkret ein ausgeprägtes gesamtunternehmerisches Verständnis, das ich mir im Studium «HF Unternehmensprozesse» angeeignet habe.
Was fasziniert Sie persönlich an Technologie?
Das schier unendliche Potenzial von Technologie fasziniert mich. Technologie kann Prozesse vereinfachen, Herausforderungen lösen und neue Möglichkeiten schaffen. Im Zusammenspiel von Mensch, Maschine und Daten entstehen Lösungen mit echtem Mehrwert für unsere Gesellschaft. Besonders bemerkenswert an der Arbeit mit Werkzeugmaschinen ist, dass nahezu alle industriellen Produkte früher oder später durch sie bearbeitet werden. Mein Lehrmeister sagte mir am ersten Tag meiner Lehre, dass es ohne unsere Tätigkeit praktisch keine Produkte gäbe. An diese Aussage erinnere ich mich oft und stelle immer wieder fest, wie zutreffend sie ist.
Werden Sie als CTO Kontakt mit den Roth-Kundinnen und -Kunden aufnehmen?
Definitiv. Der direkte Austausch mit unseren Kunden weltweit über verschiedenste Branchen hinweg ist mir sehr wichtig. Unsere Kunden sind unsere Partner – denn nur gemeinsam sind wir erfolgreich. Im Gespräch mit ihnen erfahre ich mehr über ihre Bedürfnisse. Nur wenn wir ihre Anforderungen, Herausforderungen und Zukunftserwartungen verstehen, können wir unsere Technologien und Prozesse gezielt darauf ausrichten und gemeinsam nachhaltige Lösungen entwickeln. Ebenso bedeutend ist für mich der Austausch mit unseren Lieferanten: Wir müssen alle dasselbe Verständnis haben und an einem Strang ziehen, damit unser Kunde am Ende ein Präzisionsteil in den Händen hält, das voll und ganz seinen Erwartungen entspricht.